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Priestertum
von Ewald "Akesios" Strohmar
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Die Priesterinnen und Priester der griechischen Antike waren keine Vermittler zwischen Gott und Mensch, auch keine Verkünder einer allein selig machenden Wahrheit.
Ich definiere ja nur ungern über ein Negativum, aber ich habe hier in Walter Burkert ein großes Vorbild, wenn er schreibt (GR 95ff, übers.a.d.Engl.) "man könnte die griechische Religion fast eine Religion ohne Priester nennen". Es ist leider so, dass man sich zumeist, geprägt durch das christliche Priesteramt, genau das oben Angeführte vorstellt. Möglicher Weise hat ein Kenner des Neuheidentums auch noch das zusätzliche Bild der Wiccapriesterschaft oder eines Druidentums vor Augen, mit strengen Richtlinien, mehrjähriger Ausbildung, Initiation.
All dies trifft nicht auf die griechischen PriesterInnen zu. In der griechischen Antike war das Priesteramt genau das: ein Amt. Keine Berufung, keine Ausbildung, keine Weihe. Man kam zu diesem Amt auf verschiedene Weise, je nachdem, um welche religiöse Einrichtung es sich handelte. Aber im Prinzip konnte jeder jede religiöse Handlung durchführen - auch Frauen und Sklaven. Das war durchaus nicht üblich, in anderen Ländern wie zB Persien konnten nur die "magi" religiöse Handlungen durchführen.
Das griechische Priesteramt entstand ganz simpel aus der Rolle des Familienoberhauptes im Rahmen der privaten, familiären Verehrung der Götter. Und da die Gemeinde die nächste größere soziale Einheit ist, war der Gemeindevorsteher dann auch in religiösen Belangen für seine Leute zuständig, wurde also zum "Priester". Dies wurde dann in den großen Städten mit demokratischer Regierungsform etwas schwierig, somit wurde immer einer der Magistraten zum Vorsteher für eine bestimmte Festlichkeit ernannt. Praktischer Weise musste er für diese Ehre die Feier aus eigener Tasche bezahlen. In Athen gab es nach der Erfindung der Demokratie trotzdem einen "König" (basileus), der für die "traditionellen Opfer" zuständig war (also sozusagen einen Sakralkönig). Natürlich gab es im Bereich der Tempel und sonstigen Kultstätten fixes Personal, also "Priester" (hiereis, hiereiai), die für die Einhaltung der richtigen Vorgehensweise beim Opfern zuständig waren oder auch bei Orakelstätten für die richtige Deutung des Orakels. Oft wurde das Priesteramt im Tempel innerhalb der Familie weiter vererbt.
In der heutigen Zeit ist es also nicht weiter schwer, ein analoges Priestertum zu etablieren - eben weil es keines gab. Die religiösen Riten für die Familien werden auch heute von Mutter oder Vater durchgeführt, bei größeren Versammlungen ergibt sich meistens ziemlich leicht die Rolle des Zelebranten (vor allem, da dieser nicht mehr alles selbst bezahlen muss). Und solange wir keine Tempel haben, wird es die Einrichtung einer fest angestellten Tempelpriesterschaft auch nicht geben.

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