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Der unbekannte Gott
von Ewald "Akesios" Strohmar, 15.6.2007
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Paulus, der Gründer des Christentums, befand sich nach des Aussagen der christlichen Bibel einst in Athen und betrachtete die vielen Heiligtümer.
22 Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, daß ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt..
23 Ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.
(Quelle: Apg.17,16ff bei www.bibel-online.net )
Dann spricht er noch über Menschen, die Götzenbilder aus Gold, Silber oder Stein anbeten und mahnt zur Buße und spricht von der Auferstehung.
Für die Christen, die diese Stellen lesen, ist es völlig klar: diese Griechen damals, die müssen ja Vollidioten gewesen sein, Götzenbilder aus Stein anzubeten…
Analysieren wir die Geschichte aber aus hellenistischer Sicht, so fallen einige Punkte auf:
- Warum sollte Paulus über den Polytheismus erstaunt sein? Sein "Geist wurde erzürnt" (so steht es in der o.zit. Luther-Übersetzung - παρωξύνετο τὸ πνευμα αὺτου bedeutet eigentlich "sein Atem wurde erregt") - wieso? Er war ja schließlich weit gereist, somit sollte die griechische Art der Götterverehrung nichts Neues für ihn sein - und dass sie nicht "seine" Art von Religionsverständnis leben, musste ihm auch klar sein oder sollte er bisher etwa nur in Synagogen zu Juden gesprochen haben? Oder erregte er sich etwa vor Freude, weil er meinte, hier ein geeignetes Publikum für seine Predigt gefunden zu haben?
- die Griechen haben nicht die Steine und Statuen angebetet, sondern das, was sie verkörpern. Auch das sollte Paulus klar sein, es sei denn, er ignorierte es bewusst, um seine Argumente zu erhärten. Im Übrigen denke ich auch, dass jene Forscher des 19.Jahrhunderts, die meinten, dass die von ihnen erforschten Afrikaner Baumstämme - "Fetische" - anbeteten, dem selben bewusst inszenierten Irrtum unterlagen - und aus den selben Gründen: "Meine Religion (= Christentum) ist gut, deine (=Heidentum) ist schlecht"
- und schließlich der Αγνώστω Θεω - der "Unbekannte Gott" selbst. Gab es einen solchen? Gab es solche Altäre?
Sicher, für die Marketing-Strategie des Paulus wäre das perfekt - ein unbekannter Gott könnte so gedeutet werden, dass die Athener unbewusst sehr wohl schon den christlichen Gott angebetet hätten, nur hätten sie nichts Näheres über ihn gewusst und nun kommt der Verkündiger der frohen Botschaft und erklärt es ihnen. Ein wenig erinnert das an die Gedanken des 2.Vatikanischen Konzils zum Thema Rettung derjenigen Menschen, die Jesus nicht kennen - sie können ja nichts dafür, aber eigentlich beten sie ja irgendwie trotzdem zu ihm (frei interpretiert).
Nun, die Athener waren sehr religiös, man konnte Tausende von Statuen und Altären sehen (sagt Plinius), doch die Griechen waren immer gewohnt, ihre Götter mit Namen und möglichst vielen Beinamen anzurufen, oft mit dem Zusatz "und alle anderen, die wir nicht erwähnt haben" - aber ein einzelner "unbekannter" Gott?
Pausanias (I 1,4) und Philostratos (Vita Apoll., VI.3) schreiben über Altäre für "unbekannte Götter", und in Pergamon wurde ein solcher Altar auch von Archäologen entdeckt. Doch die Inschrift weiht den Altar mehreren "unbekannten Göttern", nicht bloß einem!
So bleibt die Vermutung, dass die Rede wohl nie gehalten wurde, schon gar nicht vor "Epikureern und Stoikern", also gebildeten Menschen, die sofort gemerkt hätten, dass die Argumente des Paulus auf wackligen Beinen stehen - sondern nur bewusst in der Bibel so formuliert wurde, um den Lesern die gewünschte Botschaft ("sogar die Athener haben Jesus unbewusst angebetet") zu vermitteln - denn mit mehreren unbekannten Göttern wäre die Predigt des Paulus ja wertlos.

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